Prof. Peter Kruse stellt die Entwicklung der letzten Jahrzehnte im Internet in drei Etappen dar: 1. Der Informationsboom (Wow! ich kann alles im Internet machen!) – 2. Der Beteiligungsboom (Cool! Dann veröffentliche ich jetzt auch noch eine Klowand als Blog) – 3. Der Empfehlungsboom (Grrr! Und was mache ich jetzt mit den ganzen Infos?).
Ein interessantes Interview, vor allen Dingen im Hinblick auf die Entwicklungen rund um Twitter als soziales Netzwerk. Dort spielen Empfehlungen und die Zuschreibung von Relevanz eine ganz besondere Rolle. Twitter ist eine kleine Abbildung der Blogosphäre – eben Microblogging.
Das Dilemma ist bekannt: Die Digital-Natives surfen, kommentieren, bloggen, quasseln und bewerten im Netz und fühlen sich dabei wunderbar unbeobachtet und irgendwie sicher. ‘Das, was ich da alles mache, werden meine Eltern eh nie sehen. Sie wissen ja nicht einmal, wie man eine E-mail Adresse anlegt..’. Eigentich ist diese Einstellung nicht verwundertlich, leben die Eltern ihnen die Kontrollierbarkeit der Informationen doch vor. Der letzte “Stern” mit den nicht jugendfreien Bildern wird weggeschlossen und ist damit unerreichbar. Ebenso die Briefe, Kontoauszüge und vielleicht frühe Bilder aus dem ersten Urlaub der Eltern. Vielleicht bekommen die Nachwachsenden noch nicht einmal genau mit, was da alles “geheimgehalten” wird. Man ahnt aber, dass es Geheimnisse gibt.
Sie selber übernehmen diese Vertrauen in die Kontrollierbarkeit und begeben sich in das Internet – welches inzwischen auf den Namen Web 2.0 hört. Dort herrschen aber gänzlich andere Bedingungen, die auch die Eltern bisher so nicht gekannt haben. Informationen sind, einmal von der Leine gelassen, kaum zu kontrollieren. Sie werden aufgenommen, geändert und neu verfasst. Das kann wunderbar sein und neue Ideen hervorbringen. Es kann aber auch nach hinten los gehen, wenn man allzu unverfänglich damit spielt.
Für die (Medien-)Erziehung bedeutet das, dass wir uns selber und die Nachwachsenden dafür sensibilisieren müssen. Ob Wikipedia- Artikel, Forum oder Blog: Wer schreibt, der bleibt. Auch dann, wenn es eine Person hinterher bereut und garnicht darüber nachgedacht hat. Wikipedia protokolliert alles, Foren werden von Google gecached, Blogs in Technorati bewertet… Die Informationen werden einer nicht zu überschauenden Verwertungskette zugeführt und bilden ein großes Geflecht von Vernetzungen.
Ich möchte nicht, dass aus Angst davor nun der Zutritt zum Internet beschränkt wird. Die Schulen versuchen sich zur Zeit in diesen Aktionen, die aber früher oder später aufgegeben werden müssen. Da bin ich mir sicher. Eigentlich bleibt nur, die Techniken einfach “für unsere (scheinbar sinnvollen) Anliegen” zu nutzen und Alternativen anzubieten.
Um Sensibilität zu schaffen, dass das Internet wirklich ein Netz ist, in dem jeder Zutritt hat, ist folgender Film sehenswert: Think before you post.
Herr Doebli-Honegger hat ihn in seinem Vortrag auf der Tagung in Dillingen erwähnt und auch in seinem Blog kommentiert.
Letzte Kommentare