Tag Archive for 'Lernen'

Lernen und Sinn

”Warum müssen wir diesen (anstrengenden, langweiligen, …) Stoff lernen?”  fragen die Schüler. Und das System antwortet: “Weil es gut für euch ist, weil ihr es später – im richtigen Leben – brauchen werdet, weil wir es euch so sagen, weil es im Lehrplan steht …)”.

Und dann werden “Leistungsvereinbarungen”, “Lernzielvereinbarungen” usw. mit den Schülern geschlossen wie ein Vertrag, in dem sich die Lernenden verpflichten, “Verantwortung für ihr Lernen” zu übernehmen,  d.h. für Lernziele, die ihnen verordnet werden zusammen mit ihrer angeblich unstrittigen gesellschaftlichen Bedeutung.

An dieser Stelle nur ein Verweis auf den Beitrag von Lisa Rosa zum Thema Lernen und Sinn: http://shiftingschool.wordpress.com/2010/03/04/lernen-und-sinn/

Was Schule von Palomar5 lernen kann

Am Dienstag hat in Stuttgart der vierte nationale IT Gipfel stattgefunden. Dies wäre für mich nicht weiter bedeutend gewesen, wenn am Tag zuvor nicht ein von DNAdigital initiierter OpenSpace stattgefunden hätte. Das Thema lautete: Vom Bildungssystem von heute zur lernenden Organisation von morgen.

In einer der Arbeitsgruppen, die sich aus den Initiativen “Neugierde nutzen”, “selbstlernen cleverle” und “Lernen ohne Lehrer” spontan assoziiert hatte, hat sich eine spannende Kombination bei den Teilnehmer/innen ergeben, da wir neben interessierten Bildungsbegleiter/innen mit Jonathan Imme einen der Initiatoren von palomar5 dabei hatten. Aus der lebhaften Diskussion um Schule und ihre möglichen Ausgestaltungen kristallierten sich am Ende folgende 14 Thesen heraus, die ich hier kurz kommentiert wiedergeben möchte:

  1. Feedbackkultur statt Noten
    Noten sind ein Selektionsinstrument und lenken den Blick vom eigentlich Gegenstand weg. Bei Palomar5 hatte man als externen Motivationsmoment kurzzeitig “Geld” eingeführt. Nach wenigen Tagen hat man sich von dieser Idee wieder verabschiedet, da die tägliche Ausschüttung für den besten “Projektfortschritt” hemmende Neiddebatten hervorbrachte. Die sachorientierte Auseinandersetzung und Hilfe stellte sich nach Abschaffung des Geldes wieder ein.
  2. Freiräume schaffen, Zeit geben
    Um Ideen und Gedanken nachzugehen brauche ich Platz und Zeit. Das Arbeiten in engen Räumen ohne Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten hindert den kreativen Gedanken.
  3. Heterogene (Lern-)Gruppen mit hoher Expertise
    Als besonders positiv wurde bei palomar5 die hohe Heterogenität der Teilnehmer empfunden – sowohl hinsichtlich der kulturellen Hintergründe als auch in ihren Fähigkeiten. Heterogenität schafft Kooperation.
  4. Künstlerisches Schaffen darf kein Schulfach sein
    Die Visualisierung (von Projektideen) dient dazu, Abstand zum Gegenstand zu gewinnen und Kritik nicht als persönlich, sondern sachorientiert zu begreifen. Kunst, Gestaltung und Kreativität haben bei jeder Tätigkeit eine besondere Bedeutung, die in der Schule oft in das Fach “Kunst” gesteckt und damit aus den anderen Fächern “mit gutem Gewissen” verbannt werden kann.
  5. Lernräume selber gestalten
    Arbeitsräume (Klassenzimmer) müssen von den in ihnen arbeiteten Menschen (Schülerinnen und Schüler) aktiv mit gestaltet werden können. Lernen geschieht immer in gestalteten Umgebungen. Nicht umstonst wird der Raum auch als der dritte Pädagoge bezeichnet (1. Mitschüler, 2. Lehrer, 3. Raum).
  6. Verantwortung (wirklich!) delegieren
    In erfolgreichen Unternehmen und Projekten wird Verantwortung delegiert – echte Verantwortung mit Entscheidungsbefugnissen. Dies gilt nicht nur für die Schulorganisation zwischen Schulleitung und Kollegium, sondern auch zwischen Lehrenden und Lernenden.
  7. Fehlerkultur schaffen
    Fehler sind keine Fehler. „Fehler gehören zur Kultur der Innovation – Wenn man das akzeptiert, wird man stärker.“ (Albert Yu)
  8. Keine Zeittaktung
    Viele, die nicht mehr aktiv die Schule besuchen, mögen es kaum für möglich halten. Aber in der Schule findet das Arbeiten immer noch in einem getakteten Rythmus statt (45, 60, 90 Minuten oder in anderen Erscheinungsformen). Keiner hat mir bisher erklären können, wo diese Einteilung herkommt. Es scheint ein Mysterium.
    Unter solchen Bedingungen spielt es für Lernende keine Rolle, ob sie sich in ein Thema hineingefressen und möglicherweise gerade einen Flow haben. Ja,  selbst wenn man kurz vor dem casus knaxus steht, gilt: Wenn es klingelt wird den SchülerInnen eine Zwangspause verordnet, aus der sie nach kurzer Zeit pünktlich zurückgerufen werden. Natürlich wird danach nicht weiter am letzten Thema gearbeitet, sondern das neue, jetzt wichtigste Fach, kommt auf den Tisch.
    Unter diesen Bedingungen wundert es nicht, dass SchülerInnen schnell die eigene Motivation ausblenden. Was bringt es schon, wenn man am Ende doch durch das Klingeln nicht zu Ende denken darf.
  9. Keine no-go areas (Lehrerzimmer für alle öffnen)
    Lehrerzimmer sind die Räume innerhalb der Schule, in der Lehrer neben der Unterrichtstätigkeit selber arbeiten – auch quatschen, sicherlich. Warum teilen wir uns nicht die Zimmer, schaffen neue Ruheräume und ermöglichen so allen Schulmitgliedern eine vertraute gemeinsame Zusammenarbeit?
  10. Sinnstiftung “machen”
    Die Frage nach dem Sinn wird für die Schule zukünftig eine entscheidende Rolle einnehmen. Die Frage nach dem “Warum” kann und darf nicht weiter über Verweise auf Vorgaben und Richtlinien beantwortet werden.
    Bei Lisa Rosa gibt es zum Thema “Sinnstiftung” ein gutes Interview: “Sinnbildung lernen”
  11. Offene, personalisierte Curricula
    Wenn “Sinn” an Bedeutung gewinnt, müssen auch die eigenen Interessen eine größere Rolle spielen. Dem kann man nur begegnen, indem man die Curricula an den Schulen öffnet. Palomar5 hat keine Projekte vorgeschlagen, sondern ein Thema gesetzt, auf welches die Teilnehmer mit unterschiedlichen Antworten reagiert haben. Die Ergebnisse sind nicht einheitlich und alle hoch ambitioniert.
  12. Leitfragen statt Fächer
    Wenn die Arbeit mit Leitfragen so gut funktioniert (was man in den Projektwochen an den Schule selber erlebt, die Erfahrung aber oft nicht mit in die “normale” pädagogische Praxis überträgt): Warum bauen wir die Struktur von Fächern nicht um Projekte und Themenfelder herum neu auf? Ist das streng disziplinäre Denken noch aktuell? Kann man eine kritische Wissenschaftlichkeit nicht auch Projektbezogen verwirklichen?
  13. Lehrer als facilitator – Lehrer als Netzwerkmonster
    Lehrer müssen Räume vorbereiten, Lernprozesse vorausahnen und Werkzeuge bereit halten, wenn diese angefragt werden. Dazu reicht oft nicht mehr eine einzelne Person aus. Es bietet sich an, wenn der Lehrer eingebunden ist in ein großes Netzwerk, aus dem er spontan Resourcen abgreifen kann (und natürlich auch selber für Verknüpfungen zur Verfügung steht). Als humaner Resourcepool reicht in einer vernetzten Welt das Kollegium der Lehrenden nicht mehr aus.
  14. “show ´n tell” – kooperativer Umgang zwischen allen Mitgliedern
    Bei Palomar5 gab es regelmäßig “reality checks” und allabendlich kurze Präsentationen über den aktuellen Fortschritt. Keiner arbeitet für sich alleine, jeder kann an den Erfolgen und Arbeiten der anderen partizipieren. Dieser ehrliche, offene und kritische Umgang untereinander muss auch zwischen allen an der Schule lebenden Menschen größere Bedeutung gewinnen.

Stellwand

Rückblickend habe ich festgestellt, dass einige der Thesen so nahe beieinander liegen, dass man sie besser zusammenfassen sollte. Dies kann man noch tun. Jetzt war es mir ersteinmal wichtig, die Ergebnisse zu dokumentieren. Weiteres vielleicht später…

Anmerkung:
Palomar5 ist ein Projekt, welches vor zwei Wochen in Berlin zu Ende gegangen ist. Knapp 30 Jugendliche im Alter von 19 – 30 Jahre haben über sechs Wochen an der Frage gearbeitet “Wie wollen wir in Zukunft arbeiten”. Während der Zeit waren alle Teilnehmer in der Malzfabrik in Berlin untergebracht und haben von den Organisatoren (fast) alle Wünsche hinsichtlich Material, know-how und Expertise erfüllt bekommen. Mehr zu Palomar5 findet sich auf der Webseite http://palomar5.org

Das Dilemma des Unterrichts

Meine tägliche Arbeit gleicht einem Paradoxon: Ich gehe in der Tat jeden morgen wieder in ein Gebäude namens Schule, um dort die Schülerinnen und Schüler zur Freiheit zu erziehen. Ja, ich erziehe zur Freiheit. Alles, was ich mir unter Bildung und Erziehung in der Schule ausmale, hat am Ende das Ziel, einen mündigen und freien Menschen zu formen.

Und deshalb bin ich immer ein wenig stolz auf mich, wenn ich methodisch-didaktisch so vorgearbeitet habe, dass ich sagen kann: ‘Ihr dürft Euch jetzt frei entscheiden, was ihr machen wollt’.

Unglaublich? Es geht, wenn man es lange genug probiert und damit leben lernt. Ich kann das sogar inzwischen ganz flüssig und ohne ironischem Lächen sagen: “Entscheide Dich jetzt frei, wie es weiter geht!”

“Jetzt” – “entscheiden” – “frei”.

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Menschen sind selbstreferentielle, autopoietische und operativ geschlossene Systeme. So lehrt es uns die Systemtheorie. Man könnte auch einfach sagen: Sie sind “schwarze Kisten”, die für Außenstehende – und auch für sich selber – nicht voraussehbaren Output liefern. Sie sind Sinnmaschinen und arbeiten nur nach ihren eigenen Mustern (Kommunikation).

Wenn die Prognose eines bestimmten Outputs bei einer solchen Maschine nicht möglich ist und ich unterstelle, dass auch Menschen solche “schwarze Kisten” sind, dann muss dies auch für Schüler/innen und Lehrer/innen gelten.

In der Schule sitzen sich also viele schwarze Kisten gegenüber, die sich nur darin unterscheiden, dass eine Kiste innerhalb des Klassemraumes sitzt, die schon etwas älter ist und sich daher die Aufgabe gegeben hat, den anderen Kisten etwas von ihren Erlebnissen und ihrem “Wissen” zu geben. Leider wissen die anderen Kisten nichts davon und sind immer furchtbar irritiert, wenn da “von außen” wieder jemand an ihrer Hülle kratzt und sich gerne mit ihnen verbinden möchte (strukturelle Kopplung).

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Die Pädagogik hat nach Niklas Luhmann ein Technologie-Defizit. Damit meint Luhmann, dass der Pädagogik kein Instrument, kein Werkzeug zur Verfügung steht, um ihr eigentliches Ziel zu erreichen. Das Ziel ist die gut gemeinte Übertragung von Wissen und Verhalten. Man könnte auch sagen: Erziehung ist die absichtsvolle Sozialisation mit dem Ziel, etwas “Gutes” zu schaffen.

Wenn es also darum geht, jemand anderen zu etwas “Gutem” zu erziehen, so muss es in der Konsequenz im Verhalten des Anderen auch “falsches” Verhalten geben. Es ist demnach definiert, welches Verhalten als “gut” und welches als “schlecht” angesehen wird. Ziel der Erziehung ist es nun, das richtige Verhalten zu fördern. Dafür braucht es neben der Unterscheidung von richtig und falsch auch noch die Sicherheit, dass etwas auch beim nächsten Mal noch richtig ist (zum Beispiel bei einem Aufsatz).

Diese Annahmen führen dazu, dass wir uns den Anderen als “Trivialmaschine” vorstellen müssen:

Trivialmaschinen sind solche, die auf einen bestimmten Input mit Hilf einer eingebauten Funktion (der »Maschine») einen bestimmten Output produzieren. Ein anderer Input würde, sofern im Resonanzbereich der Maschine liegend, zu einem anderen Output führen. 2 mal 2 ist ….. 4; 2 mal 3 ist …… 6.
(Luhmann, Das Erziehungssystem der Gesellschaft, S. 76 ff.)

Spätestens hier wird der Pädagoge hellhörig und das Dilemma offensichtlich. Wenn ich, in guter Absicht, einen anderen Menschen zu etwas erziehen möchte, was ich für “gut” halte, so muss ich ihn in seiner Freiheit einschränken und als Trivialmaschine annehmen.

Die Erziehung hat aus diesem Dilemma des Technologiedefizits nach Luhmann kurzerhand ein Technologie-Verdikt gemacht. Es fehlt ihr nicht nur eine Technologie, sondern sie möchte sie auch nicht haben! Der Grund liegt auf der Hand: Habe ich eine Technologie, so muss dieses bei Anwendung eine gewollte Veränderung in der Umwelt hervorrufen. Dies wäre so, wie wenn ich den Hammer nutze um einen Nagel in die Wand zu treiben. Würde der Hammer nicht funktionieren, würde ich ihn als solchen nicht einsetzen.

Dies bedeutet:

  • Sehen wir die Menschen als Trivialmaschinen, die in Form von Schülern durch den Lehrer trainiert werden, so widerspricht dies jedem pädagogischen Bauchgefühl von Freiheit und Aufklärung.
  • Sehen wir die Menschen als schwarze Kisten, so müssen wir jede absichtsvolle  Intervention als im hohen Maße zum Scheitern verurteilt annehmen.

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Wie entkommt man diesem Dilemma? Wie kann ich Unterricht trotzdem immer wieder wagen? Wie kann ich Methoden (Technologie) weiterhin im Unterricht einsetzen?

Ein möglicher Ansatz ist, dass man sich ganz auf die Selbstorganisation der Systeme verlässt. Ein nicht-triviales System wird sich, wenn es mit trivialen Anforderungen konfrontiert wird, als triviales System zeigen. Als Lehrer kann ich diesen Umstand zur Kenntnis nehmen und den Unterricht nicht zielgerichtet, sondern prozessorientiert strukturieren. Es geht weniger darum, “WAS” in die schwarzen Kisten hinein kommt, sondern dass die schwarzen Kisten über die Unterrichtsmethoden ihre Handlungsmöglichkeiten erweitern und Kompetenzen erlangen, ihre eigenen inneren Lernprozesse (Kommunikation, Reproduktion) anzupassen.

Der Lehrer ist in dieser Rolle ein Coach, der die Prozesse begleitet und immer wieder strukturierte Umwelten anbietet, an die sich Lernende andocken können.

Ich verhelfe ihm zu Erfolg, dafür bin ich da.
(Darren Cahill, Coach von Andre Agassi)

Twitter im Unterricht: Nein, bitte nicht!

Wir versuchen wieder, neue Technologien in ein System zu drücken, das dafür nicht geschaffen ist. Mit der Überlegung von Twitter im Unterricht reduzieren wie nicht nur Twitter in seinen Möglichkeiten enorm, sondern überstrapazieren auch die Schule in ihrer derzeitigen Struktur (was natürlich durchaus wünschenswert sein kann).

Twitter_Was tust du

Twitter ist ein “Was tust Du gerade” Dienst, der sich in den letzten Monaten verstärkt als politisches und persönliches Sprachrohr entwickelt hat.

Das, wofür man Twitter jedoch in der Schule einsetzen möchte, wie zum Beispiel hier bei LehrerOnline vorgeschlagen, ist nichts anderes als ein Chat. Warum dann nicht direkt auf dieses Medium setzen? Vorteil: Man muss sich nicht anmelden (natürlich anonym! ist ja Schule und wir müssen die Schüler schützen) und braucht sich nicht mit sowas seltsamen wie Hash-Tags auseinanderzusetzen, die dann ggf. sogar noch doppelt verwendet werden und Irritationen schaffen. Immerhin soll Twitter ja innerhalb des Klassenzimmers bleiben.

Solange wir inszenieren ist die Thematisierung im Unterricht immernoch ein gutes Mittel, um den Schülerinnen und Schülern die Lust an einem Werkzeug zu nehmen.

Lasst also Twitter, solange es die Twitterer selber nicht richtig verstehen, aus den Schulen raus. Nutzt Chats für das Feedback und die zeitlich begrenzte Kommunikation im Klassenraum. Das ist einfacher. Allerdings gewinnt man dabei auch bei keinem Bingo.

Kristallisationspunkt für das Posting ist der Beitrag von Melanie, mit dem Titel “Ist Twitter für den Unterricht geeignet?”. Dort hat sich eine spannende Diskussion ergeben.

Shift happens

Das Video ist von 2007. Und obwohl es so alt ist lohnt es sich immer wieder – auch wenn es irgendwann nerven sollte – Geschichten wie diese anzusehen.

Welche Aufgabe hat Schule?
Geht es um die Tradierung von Wissen nach klassischer Vorstellung?
Geht es um Erziehung, die nicht mehr im doppelt-berufstätigem Elternhaus vollzogen wird?
Geht es darum, die Schüler/innen im Umgang mit Tools der Kommunikation fit zu machen (“Web 2.0″)?
Oder geht es um Grundlagen und Einblicke in das, was war, um die Zukunft zu gestalten?
Was ist mit Büchern – spielen diese noch eine Rolle? Oder machen wir in Zukunft nur noch Wiki?
Was ist mit geschützen Räumen, in denen man König sein darf (Kinderzimmer)?
Wie bildet sich ein kritischer Geist?

Bevor ich die Fragen vertiefe mache ich lieber für morgen mal den Unterricht fertig und bringe den Schülern bei, wie man das MWG in Gleichgewichtsberechnungen nutzt. Das braucht man.

Schnelles Feedback einholen

GoogleDocs bietet seit einiger Zeit die Möglichkeit, Umfragen zu erstellen und in der Tabellenkalkulation auswerten zu lassen – auch ohne dass der Besucher einen Google Account hat.

Diese Funktion bietet sich vor allem für schnelle Feedbacks an, die nicht über lange Zeit laufen und einem kleinen Benutzerkreis zugänglich gemacht werden sollen. 

“Lernen heute” hat die Funktionen für den Einsatz in der Schule vorgestellt:

Ruck-Zuck Feedback mit Google Text und Tabellen.

Wer kann es denn? Umgang mit digitalen Medien.

Die Schülerinnen und Schüler sind digital naives, die Lehrenden können es auch nicht besser. Wer kann es denn?

Wir befinden uns in einem Transformationsprozess. Die Gesellschaft hat da etwas Neues entdeckt und stürzt sich nun auf die Suche, irgendwelche Handlungsmuster herauszuarbeiten, wie damit umzugehen sei. Für die Schule ist dabei die zentrale Frage: Wer ist der Wissende?

Genau in dieser Frage könnte sich aber eine Bruchstelle finden, die das alte Wissens-Paradigma (begrenzt, geschlossen) vom neuen (unendlich, offen) trennt. Es geht nicht mehr darum, wer die Fakten weiss. Das zählte früher.

Das Wissen ist heute nicht mehr begrenzt, sondern steht allen uneingeschränkt offen. Merkbar wird das zum Beispiel in der Schule, wenn einem ein Schüler der 5. Klasse kurzerhand erklärt, wie das mit den Atomen in der Chemie so sei (Lehrplan: 8. Klasse). Er hat sich selber informiert und war nicht auf die Rationierung durch den Lehrenden angewiesen.

Es zählt nicht mehr das Wissen an sich, sondern die Kompetenz, wie man für sich selber in einem Neuronenstrom Orientierung finden kann.

Dynamische Vorlesung

Die dynamische Vorlesung von Prof. Jean-Pol Martin ist inzwischen stark gewachsen. Ich möchte die Gedanken hier im Blog nicht erneut aufgreifen (kommentiert habe ich dort bereits), sondern einfach dem geneigten Leser, der Interesse am Lernen, der Schule und der Weltverbesserung hat, freundlich darauf hinweisen.

Wo sonst hat man – befreit von CPs und Vorlesungszeiten – die Gelegenheit, sich weiter kritisch mit seinem schulischen Handeln auseinanderzusetzen. Es lohnt sich.

Die dynamische Vorlesung.

Was wäre wenn: Stundenplan

Hatte mir vor knapp einem Jahr mal überlegt, wie man eigentlich einen “Stundenplan” gestalten könnte, bei dem ich als Schüler selber gerne mitmachen würde und dem ich auch aus der Sicht des Lehrers etwas abgewinnen könnte.

Einige Ideen kamen – meine ich mich zu erinnen – aus den Lernbüros der MBS, die wir auch für unseren Chemieunterricht (Kursinterne Differenzierung | KiD) aufgegriffen haben.

Utopie und Spinnerei? Sicher. Aber warum nicht mal drüber nachdenken.

Wie sähen denn die Stundenplan-Utopien von Euch aus? Bin neugierig.

Science on stage

Vom Donnertag bis Sonntag der kommenden Woche (23.10. – 26.10.) findet in Berlin das “Science on Stage Festival 2008” statt. Der Kongress wird sich unter anderem mit der Frage beschäftigen: Alleinunterhalter oder Moderator? Der Nawi-Lehrer von morgen.

Wir haben uns von der Gesamtschule-Barmen mit dem seit einem Jahr laufenden Projekt “KiD – Kursinterne Differenzierung im Chemieunterricht” beworben und sind eingeladen worden, das Konzept dahinter vorzustellen und dabei vor allem auf die neue Rolle des Lehrenden einzugehen.

Mit einer im Projektantrag verbrieften Differenzierung in zwei Leistungsniveaus – die auch auf dem Zeugnis ausgewiesen werden – kann die Rolle des Lehrenden nicht mehr so zentral sein kann wie man das von klassischen Unterrichtsformen oft gewohnt war. Wir agieren mehr als Arrangeure, bereiten das Lernumfeld vor und stehen während der Arbeit den Lernenden mit Rat zur Seite.

Bei dem Projekt hat sich für uns selber deutlich gezeigt, wie wichtig im Schulalltag die gemeinsame Arbeit in einem Team ist. Trotz aller Zeit, die die Planung verschlingt, bringt es am Ende ein Mehr an Spaß bei der Arbeit. Und im weiteren Verlauf ergibt sich auch wieder eine Zeitersparnis, da man die gemeinsamen Arbeitswerkzeuge mit neuen Erkenntnissen etwas anpassen und erneut einsetzen kann.

Finden sich zufällig weitere Leser in Berlin auf dem Kongress ein?

Sitzordnung

Angestossen von chbeer wollte ich über die Wahl der Sitzornung bei uns berichten. Auch wenn ich lieber ein völlig mobiles Klassenzimmer hätte, so sind durch die hohen Klassenfrequenzen doch gewisse Grenzen gesetzt, denen man Rechnung tragen muss.

Wir haben folgende Sitzordnung gewählt, bei der das Lehrerpult zur Seite rutscht und nicht mehr im Zentrum steht. Dort ist nun Platz für Aktivitäten. Mit wenig Aufwand kann man das Forum durch Verschieben von drei begrenzenden Tische noch so erweitern, sodass man Kreismethoden wie das Kugellager problemlos machen kann.

Für die Sitzordnung selber haben sich zuerst die Schülerinnen und Schüler einen Lernpartner ausgesucht, mit dem sie zusammen lernen wollen. Diese Gruppe wird von den Klassenlehrern nicht angerührt – hier haben sie volle Autonomie. Grund: Ich lerne immer in sozialen Umgebungen und nur dann, wenn ich mich irgendwie wohl fühle. Dafür ist ein Freund da.

Für die Wahl der Tischgruppen haben wir als Vorgabe gegeben, dass mindestens ein Junge und ein Mädchen an der Tischgruppe sitzen muss. Der Grund dafür sind die vergangenen zwei Jahre… Als wir die Klasse Anfang des Schuljahres übernommen haben, saßen vor uns zwei Gruppen: Links die Jungen, rechts die Mädchen. Dass dies unsinnig ist und Mädchen wie Jungen eigentlich ‘ganz ok’ sind und nicht per se ‘weh tun’ haben sie schnell mitbekommen :)

Allerdings haben wir die Regelung nicht mit Gewalt durchgedrückt. Das Klima ist wichtiger.

Inspiration für die Art der Wahl ist der Vorschlag aus dem Buch “Fundgrube Klassenlehrer” von S. Diepold.

MindMaps im Web

Es gibt verschiedene Wege, eine MindMap zu erstellen. In der Regel sind MindMaps, die auf dem Computer erstellt worden sind, für dritte besser zu lesen und übersichtlicher als jene, die auf dem Papier gekritzelt wurden. Für die eigenen Unterlagen mag die handschriftliche Version Vorteile haben.

Wer gerne unabhängig vom System (Windows oder Mac) arbeiten möchte, für den bieten sich webbasierte Lösungen an. Ich empfehle Euch, für die Erstellung der MindMap folgende Webseiten anzuschauen:

http://mind42.com/
http://www.mindmeister.com/
http://www.mindomo.com/

(Alle drei Webseiten benötigen eine Anmeldung.)

Das schöne an den Angeboten ist, dass man die MindMaps auch “sharen” kann. 

Beispiel:
http://www.mind42.com/pub/mindmap?mid=37f99971-15ce-4457-89d6-cb234f5515e3

Das Periodensystem – diesmal spannend « Lernen Heute

Hinweis auf einen Hinweis bei lernenheute.wordpress.com: Das Periodensystem einmal komplett vorgestellt mit Videos von Experimenten und kurzen Vorträgen. Super.

Einsatzidee im Unterricht: Warum nicht die Videos gemeinsam übersetzen?

Das Periodensystem – diesmal spannend « Lernen Heute.

Lehrerleistung messen

Kurz notiert. Interessante Überlegungen. KaWa inklusive.

http://lernenheute.wordpress.com/2008/04/21/lehrerleistung-messen/

“Seminar beim Avatar” | Zeit.de

Auf Zeit.de gibt es einen Artikel “Seminar beim Avatar” von Thomas Kerstan.

Schulen sind eben, man mag es beklagen oder begrüßen, ein verdammt träger Organismus. … Wenn etwa ein Arzt aus dem Jahr 1908 mittels einer Zeitmaschine in einem Operationssaal von heute landete, käme er sich vor wie ein Alien. Ein Lehrer aus dem Jahr 1908 hingegen, der heute einen Klassenraum beträte, könnte problemlos den Unterricht fortsetzen.

So ganz falsch ist das Bild wahrscheinlich nicht. Vielleicht würde sich der Pädagoge sogar erschrecken, wenn er aus einer der damals entstehenden Reformschulen an ein so genanntes “klassisches” Gymnasium käme.

Wie also wird das Internet die Bildung verändern? Die Schule der nahen Zukunft wird sich in vielem nicht grundlegend von der heutigen unterscheiden. 

Warum auch nicht. Viele Dinge haben sich bewährt und werden nicht ohne Grund aufrecht erhalten. Der persönliche Kontakt, die “Vorträge” von Lehrenden und die gemeinsame Erfahrung sind sinn- und wertvoll.

Von Prof. Bolz habe ich noch den Vortrag im Ohr, dass Web 2.0, Wikis und Co. zwar eine neue Dimension der Akkumulation von Wissen schaffen, das alleine aber nicht ausreicht- es fehlt etwas.“Lernen ist die Erfahrung die man macht mit unüberschaubaren Wissen in der Anwesenheit der Autorität eines Lehrers”

Trotz aller Skepsis wird das Internet die Schulen dennoch aufmischen. Dabei geht es à la longue nicht um die läppische Frage, ob Computer in die Schule sollten oder nicht. Die Schüler (und ja: auch die Lehrer) werden bald in einer Technosphäre leben, die die Schulpraxis automatisch verändert – je höher die Schulklasse, je mehr die Schüler eigenständig lernen, desto stärker. 

Da gehen meine Beobachtungen leider auseinander. Zwar setze ich kontrafaktisch voraus, dass die Schülerinnen und Schüler mit einer Textverarbeitung, Lernplattformen und Co. umgehen können. Gegeben ist das aber nicht “natürlich”. Bei Begriffen wie “Formatierungen” oder “PDFs” erntet man fast genauso häufig in der 12 Klasse fragende Blicke wie im Lehrerzimmer. Der Unterschied ist nur, dass den Lehrenden das oft unangenehm ist, den Schülerinnen und Schülern aber egal.

Dazu hat Beat Doebli-Honegger in Abgrenzung zu den “digital natives” den Begriff “digital naives” geprägt. Seine Präsentation ist hier zu finden.

Update: Ein interessanter Artikel dazu auch bei sueddeutsche.de: Die digitale Eisdiele.

Schon heute kann eine leise Ahnung vom Studium der Zukunft bekommen, wer etwa eine Vorlesung an der Harvard Law School in der künstlichen Computerwelt Second Life besucht. Die Studenten und der Professor sind dort mit einem sogenannten Avatar vertreten, einem selbst gestalteten virtuellen Abbild von sich. 

Das dies das Studium der Zukunft sein wird glaube ich wiederum nicht so recht. Die Anwesenheit einer echten Lerngemeinschaft ist glaube ich wichtiger. Und dafür reicht nicht der Avatar. Es ist schon der physisch anwesende Mensch, der Ausdruck hat und als Ganzes wirkt, vonnöten. Genauso wie auch im “Alltag”, wo wir zwar chatten, twittern und in Foren aktiv sind, aber uns – bis auf pathologsiche Ausnahmen – doch nicht ganz in diesen Welten verlieren. Zum Glück sind nicht nur Schulen ‘ein träger Organismus’.

Rotthaus über die Erziehung

In der letzten Veranstaltung im laufenden Schuljahr von “schule anders denken” wird am Dienstag den 03.06.2008 Herr Dr. Rotthaus in Wuppertal über das Thema “Erziehung gestern, Erziehung heute – Erziehung von gestern für heute?” referieren.

Einen Einblick in seine Thesen finden sich auch bei podcampus. (Sowas sollte es öfter geben!)

Nach den Erfahrungen der letzten Vorträge sind diese zwar immer gut besucht, jedoch bekommt man in der Regel an der Abendkasse noch Karten.

Als wenn er es geahnt hätte: Humboldts offener Brief

Humboldt hat – wohl in weiser Vorausahnung der Entwicklung – einen offenen Brief an die Bildsungspolitiker geschrieben. Dieser Brief wurde nun entdeckt und in der SZ abgedruckt. Glück gehabt.

“Verzeihung! Sieht so Ihre Wissensgesellschaft aus? Sind Sie noch bei Trost?”

via: Randnotizen

ADZ: Kinder

Reinhard Kahl (Treibhäuser der Zukunft) hat einen neuen Film “Kinder” (PDF) im Rahmen des Projektes “Archiv der Zukunft” erstellt. Am 1. Juni gibt es den Film kostenlos in 32 Cinemaxx-Kinos zu sehen – u.a. in Wuppertal.

Karten gibt es am dem 05.05.2008. 

via: thorsten

Quellen aus dem Internet zitieren

Peter Baumgartner hat den Dienst Webcite® in seinem Blog ausführlich vorgestellt. Mir war der Dienst bisher auch nicht bekannt und ich werde bei den nächsten Facharbeiten der Schülerinnen und Schüler darauf hinweisen, um das sinnlose Kopieren von CDs oder das Ausdrucken von ganzen Webseiten zu vermeiden.

Quelle: Webcite® – Zitieren von Internetquellen

WissensCamp als Un-Konferenz?

Eine der BarCamp  Idee nachempfundene, aber thematisch mehr auf Bildung und Schule gerichtete Konferenz schwebt mir schon seit längerem in den Gehirnwindungen. Einen Kristallisationspunkt findet sich nun bei Thorsten v. P.-K., der das BildungsCamp angehen möchte.

Noch ist alles offenen, Ideen müssen noch gesammelt werden. Wer bei so einer Veranstaltung aber gerne mal dabei sein würde, sollte sich in den nächsten Tagen und Wochen öfter mal bei macoholic umsehen. Ich hoffe, dass das was wird. 

Mehr: WissensCamp als Idee schwirrend und rotierend | Macs, GTD und das Leben