Tag Archive for 'Schule Transformation'

Truefiction

Wenn Laura Luhmann mit ihrem iPhone an die Uni kommt, dann….

http://www.truefiction-derfilm.de/

Was Menschen motiviert

Schule muss den Frühling finden

In seinem letzten Interview bei AllThingsDigital D8 hat der Apple CEO Steve Jobs eine schöne Metapher genutzt, um das Vorgehen von Apple in seiner bisherigen Geschichte zu beschreiben.

Oft genug haben sich die Leute über den Computerhersteller lustig gemacht und Apple für “verrückt” erklärt, wenn man harte Schnitte vollzogen habe. Dies sei bei der Einführung der 3,5″ Diskette ebenso der Fall gewesen wie bei der Absage an die serielle und parallele Schnittstellen beim iMac, der stattdessen als erster Rechner komplett auf USB setzte und damit Neuland betrat.

Heute steht Apple vor allem wegen seiner Entscheidung in der Kritik, Flash auf ihren mobilen Endgeräten nicht zuzulassen. Als Grund nennt Steve Jobs, dass die Technologie einfach nicht mehr zeitgemäß ist und es bessere Werkzeuge gäbe, um Videos im Internet wiederzugeben. Apple müsse sich aufgrund knapper Ressourcen für ein Pferd entscheiden, auf das man setze. Es bringe nichts, verschiedene Ziele zu verfolgen, wenn einem klar ist, um was es eigentlich geht. Dies sei bei dem USB Anschluss der Fall gewesen und nun auch bei Flash.

Jede Technologie erlebt die vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Es sei für ein Unternehmen wie Apple entscheidend, die Technologien zu erkennen, die sich im Frühling ihrer Entwicklung befänden.

Wörtlich:

The way we succeed is by choosing what horses to ride really carefully – technically. We try to look for this technically vectors, that have a future, that headed up. Technology can go in cycles. They have their spring, and summers and autumns and then they go to the graveyard of technology. And we try to pick things in their spings. And if you choose wisely, you can save yourself a enormous amount of work  versus trying to do everything. And you can really put energy in making this new merging technologies be great on your plattform, rather to be just ok. […]

We have to get rid of things. […] And sometimes, people call us crazy. But sometimes you just have to pick the things that look like the right horse to ride forward. […]

Die Umstellungen von alten Technologien auf “neue Pferde” war nicht einfach für Apple. Der Umstieg von System 9 auf Mac OS X sei hier nur erwähnt, ebenso wie die Umstellung von PowerPC auf X86 Prozessoren. Man hat sich dennoch jedes Mal für eine harte Zäsur entschieden – und dabei sicherlich den ein oder anderen auch zurücklassen müssen. Am Ende aber war diese Strategie erfolgreich – egal wie kritisch man dem gegenüberstehen kann. Das Prinzip Microsoft, alles immer wieder in allem zu unterstützen (DOS in Windows Vista) ist nicht aufgegangen.

KönnenMüssen wir diese Erfahrungen nicht auch auf die Schule übertragen? Wäre es nicht an der Zeit, alte und überholte Konzepte, die vielleicht gerade den Herbst ihrer Existenz erfahren (Industrialisierung…) über Board zu werfen und uns den neuen Möglichkeiten zu öffnen? Wo stecken die Konzepte, die gerade ihren Frühling erleben? Sie scheinen noch nicht fertig formuliert zu sein. Ich glaube, dass beispielsweise in der Diskussion um den Leitmedienwechsel etwas steckt, was für die Schule noch prägend werden wird.

Sir Ken Robinson: Evolution ist nicht genug

Das Video wird bereits an vielen Stellen zitiert, obwohl es erst seit etwa einem Tag online verfügbar ist. Und man kann es nicht oft genug erwähnen, damit mehr und mehr Menschen in Kontakt mit Sir Ken Robinsons Vision kommen, was man mit dem Bildungssystem machen muss.

Es reicht nicht mehr aus, von einer Evolution zu sprechen. Sir Ken Robinson fordert die Revolution – anschließend an seinen ersten TED-Vortrag vor vier Jahren, bei dem es vor allem um die Kreativität ging, die in der Schule systematisch verhindert wird.

Es gibt Momente, in denen es nicht mehr reicht, an Stellschräubchen zu drehen. Manchmal müssen die Dinge ganz neu gedacht werden.

Wir erleben gerade einen Leitmedienwechsel, den es in dieser Art seit der Erfindung des Buchdrucks nicht gegeben hat. Das gedrucke Wort wird zunehmend durch digitale Formen ersetzt. Wir kommunizieren mehr, schneller und weiter als jemals zuvor. Gleichzeitig entsteht ein globales Bewusstsein, das die Notwendigkeit mitsichbringt, dass die Probleme dieser Welt eben nicht ausgesessen oder im lokalen Kontext gelöst werden können.

Es mag sein, dass es meine eingeschränkte Sicht auf eine Welt ist, die mich in seine These nach einer notwendigen Revolution einstimmen lassen. Es mag sein, dass es daran liegt, dass ich vor 30 Jahren noch nicht auf der Straße war und die letzte gesellschaftliche Revolte mitbekommen habe. Ich formuliere mein Gefühl eines Umbruchs dennoch, weil ich den Wandel für notwendig halte und nicht überrascht werden möchte, wenn ich einmal zurückblicke und erschrocken feststellen muss, eine Chance für Verbesserung verpasst zu haben.

Das Problem in der Schule, der Lehrerausbildung oder in einem anderen Bereich der institutionalisierten Bildung zu sehen, greift entschieden zu kurz. Auf diesem Wege macht man vielleicht aus dem Industriebetrieb einen schönen Industriebetrieb, beginnt aber keinen florierenden Ackerbau (um in den Bildern von Robinson zu bleiben).

Einen Wandel brauchen wir nicht nur in der Bildung. Es geht um eine kulturelle Neuausrichtung, für die der Vortrag von Sir Ken Robinson ein Plädoyer sein kann.

The dogmas of the quiet past, are inadequate to the stormy present. The occasion is piled high with difficulty, and we must rise — with the occasion. As our case is new, so we must think anew, and act anew. We must disenthrall ourselves, and then we shall save our country.
(A. Lincoln)

Die Kopfnoten als Gretchenfrage für die Schule?

Am vergangenen Dienstag hat es an der Gesamtschule Barmen eine – spärlich besuchte – Podiumsdiskussion gegeben, bei der über die Kopfnoten gesprochen wurde. Die fehlende Motivation, sich an der Diskussion zu beteiligen, und die Art und Weise, wie über die Kopfnoten diskutiert werden, haben einen Gedanken reifen lassen:

Die Diskussion über die neu eingeführten Kopfnoten sind überflüssig, will man nicht grundsätzlich etwas an der Art überdenken, wie in der Schule Zertifikate verteilen werden.

Notengebung – mit welchem Ziel auch immer – engt ein und missachtet individuelle Stärken und Schwächen von Schülerinnen und Schülern. Noten sind eine Zahl, die kaum Interpretationsspielraum bietet; bei gleichzeitiger Undurchschaubarkeit. Diese Zahl gibt vor, Vergleichbarkeit und Objektivität zu produzieren und scheitert daran. Wir haben uns inzwischen anscheinend daran gewöhnt.

Daher stellt sich die Frage, ob die Diskussion um die Kopfnoten nicht eigentlich eine Scheindebatte ist, bei der pädagogische Argumentationen hervorgeholt werden, die die eigentliche Problematik aber nicht berühren? Wenn wir die Kopfnoten ernsthaft in Frage stellen, sind die Argumente in gleicher Weise auch auf die fachlichen Noten anzuwenden. Und das kann ja nun nicht sein.
Also führen wir die Diskussion halbherzig, wissend, dass man sich zwar über neu eingeführte Kopfnoten brüskieren kann, sie aber lieber nicht gänzlich in Frage stellt. Am Ende wackelt möglicherweise das Selbstkonzept der Schule als Selektionsinstrument einer Gesellschaft.

Das Problem hinter den Kopfnoten würde ich daher als strukturelles bezeichnen, das sich nur durch einen Kulturshift aushebeln lassen könnte. Und dieser ist nicht abzusehen.
Wir haben ein Dilemma: Die pädagogischen Ziele, die in der Administration der Landesbehörden formuliert werden, sind im wesentlichen konsensfähig. Rückmeldungen zum Arbeits- und Sozialverhalten zu geben halte auch ich für sinnvoll.
Der nächste Schritt der Landesregierung ist nun der fatale: Sie beginnt, Kriterien für die Vergabe der Noten zu entwickeln, um Messbarkeit, Vergleichbarkeit und das größtmögliche Maß an Objektivität zu garantieren. Dies liegt in dem Anspruch unserer Gesellschaft, durch Regelungen und Gesetze Gleichheit aller Beteiligten zu sichern. An sich kein schlechter Gedanke, fußt doch die gesamte bürgerliche Gesellschaft auf dem Prinzip der für alle gültigen und einklagbaren Rechte.

Im pädagogischen Kontext beinhalten die Kriterienkataloge aber eine enorme Gefahr. Sie werden zu Knebeln des hoch ausgebildeten pädagogischen Fachpersonals. Dadurch, dass sie Noten für das Arbeits- und Sozialverhalten geben müssen, beeinflussen die Vorgaben den eigenen persönlichen Handlungsspielraum. Eine Lehrperson kann nun nicht mehr nach ihrer pädagogischen Verantwortung Gespräche führen und erzieherisch tätig werden, sondern muss im Grunde am Ende jede persönliche Entwicklung eines Lernenden in ein Raster von vier Noten pressen.

Das bedeutet: Durch die bürokratisch-technologischen Glauben der Gesellschaft, dass man, wenn man nur fein genug misst, der Wirklichkeit nahe kommt, werden die eigentlich vernünftigen Ziele einer scheinbaren Vergleichbarkeit geopfert. Die Fixierung auf Vorgaben und Richtlinien verhärtet Schule. Es geht immer weniger um pädagogische Vernunft als um Justiziabilität.

Deshalb spielt es keine Rolle, ob wir die Kopfnoten haben oder nicht. Zwar wird es als politischer Erfolg gewertet, wenn man sie einführt – oder abschafft -, das eigentliche Problem bleibt davon unberührt: Welches Vertrauen hat die Landesregierung in die Qualifikation ihrer gut ausgebildeten Lehrkräfte?

Wir sind uns näher als wir glaubten

In Köln sind am letzten Wochenende zum ADZ-BarCamp zwei Gruppen zusammen gekommen, die bisher kaum zusammengearbeitet haben. Skeptisch war ich vorher, aber es war wunderbar. Nach anfänglichen Berührungsängsten kam es am Ende des ersten Tages dann zu der Aussage:

“Schön, dass ich mal so Leute, die im Internet sind, kennengelernt habe. Die sind ja eigentlich ganz normal…”.

Es stellte sich schnell heraus: Wir brauchen keine Brücken zwischen den Generationen zu bauen. Die neuen Medien erklären sich von selber, wenn sie sinnvoll in den Arbeitsalltag integriert werden und einen Mehrwert produzieren. Letzterer wird früher oder später offensichtlich, wenn man die Kongresse über Twitter vernetzt und über GoogleDocs gemeinsam vor- und nachbereitet.
Die Gemeinsamkeiten überwiegen dahingehend, dass Schule sich in einem Veränderungsprozess befindet oder zumindest in diesen getrieben werden muss. Daran kann man arbeiten.

CC by Johan Larsson (flickr)

  • Die eine Gruppe umfasst die Reformpädagogen. Dieser hat sich schon vor Jahrzehnten mit den Strukturen und Grenzen des bestehenden Schulsystems auseinandergesetzt und Lücken und Freiräume gesucht, um seine eigene Vorstellung von „gutem Lernen“ zu verwirklichen. Viele Schulgründungen landauf, landab zeugen von diesen kleinen Aufbrüchen und zeigen, dass es auch anders geht.
    Dieser Prozess des Ausbrechens war nicht immer einfach und mit vielen Reibungsverlusten verbunden. Motivation für seine Arbeit hat sich der Reformpädagoge aus den gegenseitigen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen geholt, die ebenfalls ihre kleinen pädagogischen Gärten hegten und pflegten. Als Beispiel für diese institutionalisierten Netzwerke zwischen den Reformpädagogen sei auf „Blick über den Zaun“ (http://blickueberdenzaun.de/) und das „Archiv der Zukunft“ (http://www.archiv-der-zukunft.de/) hingewiesen.
  • Der neuere Typus des Reformpädagogen lässt sich grob als Bildungshacker oder EduCamper umreißen. Ihn treibt der gleiche Wunsch nach einer besseren, lebenswerteren und schöneren Schule an. Für seine Netzwerke nutzt er aber nicht zuerst den Austausch über Kongresse und Bücher, sondern vor allem digitale Netzwerke wie Twitter, Blogs & Co.. Er entwickelt Ideen, verwirft sie und bestätigt sich trotz großer Entfernungen immer wieder, dass man auf einem guten Weg ist. Auf diese Weise schöpft er den Mut, weiter an seinen Ideen zu arbeiten. Aus dem direkten Kreis von Personen, die ihm täglich begegnen, erhält er kaum Verständnis, sondern oft Unverständnis und den Stempel der Nervensäge.
    Von außen gesehen kann man diesen Bildungshacker der jungen Generation der „digital natives“ zurechnen. Sein Bild in der Öffentlichkeit ist oft so geprägt: Er sitzt den Tag am Computer, ist ständig abgelenkt und kaum in der Lage, sich längere Zeit mit einer Sache zu beschäftigen. Ergo sind wertvolle Impulse nicht zu erwarten. Er strebt nach kurzzeitiger Aufmerksamkeit. (Warhol: „In Zukunft kann jeder Mensch für 15 Minuten Berühmtheit erlangen“).

Meine Erfahrungen vom vergangenen Wochenende lassen mich zu der Überzeugung kommen, dass die Kluft zwischen digital natives und denen, die die neuen Technologien nicht nutzen, nicht besteht. Der Bruch, der oft angenommen wird, ist keine Frage der Mediennutzung, sondern eine Frage der Einstellung:
Glaube ich daran, dass man die Welt durch seine Aktivitäten gestalten kann – und versuche dies auch zu tun? Oder verwalte ich mein Leben, um die schon genügend komplexen Alltagssituationen für mich erträglich zu machen – zu vereinfachen?

Nicht die „digital natives“ und „digital immigrants“ stehen sich in der Schule gegenüber, sondern ein Kontrollbedürfnis und die Risikobereitschaft.

Daher setzt jede Diskussion, die „neuen Medien doch endlich auch den Lehrern durch Fortbildungen nahe zu bringen“, an der falschen Stelle an. Es scheint so als wenn jene, die bereit sind, ein Risiko einzugehen, auch offen und interessiert den neuen Kommunikationsmedien gegenüberstehen: Nothing venture, nothing win.
Wenn wir Schule anders denken wollen, müssen wir uns gemeinsam auf den Weg machen. Jeder mit seinem Werkzeug (wobei zukünftig die digitalen Medien durch ihre Möglichkeit der schnellen Vernetzung ohne Zweifel Vorteile mit sich bringen).

1. ADZ Barcamp 2010 in Köln

Am Wochenende hat in Köln an der iFK eine Konferenz stattgefunden, die ich mir in dieser Form schon lange gewünscht habe. Die mit Erfahrung und Ideen voll bepackten “Reformpädagogen” aus dem ADZ Netzwerk sind auf Personen getroffen, die sich bisher vor allem auf BarCamps und EduCamps herumgeschlagen haben.

Das konnte nur spannend und reibungsvoll werden; und wurde es auch und das war gut so.

Ich habe an folgenden Sessions teilgenommen:

  • Die Blogschule
    Die KAS (in Person von Roman Deeken und André Spang) hat ihr Blog-Projekt, welches zuletzt auch auf der re:publica für Aufsehen sorgte, vorgestellt. Die scheinbare “Dramatik”, die sich hinter der Einführung von Blogs in den Unterricht und in die Schulorganisation verbirgt, war mir im Vorfeld nicht so bewusst. Dass dieser Prozess nur mit einer Öffnung einher geht, ist verständlich. Ebenso, dass sich Lehrenden eine Öffnung oft nur ungern aussetzen und gerne kontrollieren, bewerten und alles im Überblick behalten wollen. Dass die Diskussion in einer Phase der Session aber so fundamental geführt wurde, hat mich doch erstaunt. Dank einer feinfühlenden Moderation (@ViktoriaHD) ist die Grundsatzdebatte zum Glück (?) nicht vollständig ausgebreitet worden, sodass man zurück zum Thema gekommen ist: praktische Beispiele für den Einsatz im Schulalltag.
  • Alternative Bildungsabschlüsse
    Scarlett Schenk hat ihre Gedanken und Ideen zu alternativen Bildungsabschlüssen vorgestellt. Brauchen wir noch das Abitur? Ist das nicht viel zu einseitig? Können wir das Abitur abschaffen, um individuellere Abschlüsse zuzulassen und aufzuwerten? Brauchen wir überhaupt Abschlüsse für eine Schule? Welche Möglichkeiten gäbe es noch, schulische Leistung zu begrenzen oder zu zertifizieren?
    Die Diskussion war vor allen Dingen nach der ersten Session gut, weil man sich angenähert hat an die bestehende Stuktur von Schule und diese – wenn nicht gänzlich, so aber doch in Ansätzen – in Frage stellen konnte. Es hat sich eine nachdenkliche Diskussion entwickelt. Leider war die Dokumentationskultur der Sessions noch nicht so ausgeprägt, dass die Ergebnisse nachlesbar wären.
  • Web 2.0 in der Schule
    Auf eine Anregung im Plenum hin habe ich Tools vorgestellt, die ich im Unterricht und in der Zusammenarbeit mit anderen Kollegen/innen einsetze. Dabei haben vor allen Dingen Doodle und GoogleDocs großes Interesse geweckt. Besonders die Idee, über Doodle die Elternsprechtage zu organisieren.
  • Wie können digitale Medien neues Lernen fördern?
    Direkt im Anschluss an die Session zu den Web 2.0 Tools hat Guido Brombach über die neue Lernkultur gesprochen, die durch digitale Medien nötig wird (Präsentation bei Prezi.com). Ausgangspunkt war der Film “Information R/evolution” von Michael Wesch. Durch diese Session wurden die Tools, die vorher nur angerissen wurden, in einen größeren Zusammenhang gestellt.
    Guido Brombach formulierte sieben Thesen zum Einsatz von digitalen Medien in der Bildung:

    • Der Einsatz digitaler Medien verlangt einen turn-around weg von der Frontalpädagogik
    • Medienkompetenz heisst, die digitalen Medien gestaltend und kooperativ nutzen zu können
    • Nicht die Anhäufungvon Wissen, sondern der Prozess seiner Konstruktion ist entscheidend
    • Wissen vermehrt sich bei der Nutzung, aber nur wenn es lizenzoffen zur Verfügung gestellt wird
    • Lernen braucht Alltagsrelevanz
    • Lernen heisst forschen und entdecken am Einzelfall, Reflexion und dann Induktion
    • Lernen geschieht alleine, die Konstruktion von Wissen ist immer Teil eines sozialen Prozesses
  • Lernen und Wissenschaffen
    Kurzversion einer ausgesprochen intensiven Session: Welt erschließt sich immer aus einer bestimmten Perspektive. Diese Perspektive – nennen wir sie “Brille” – umfasst auch immer eine bestimmte Wahrheit. Konflikte und Krisen entstehen oft daraus, dass man die “Wahrheit” des anderen nicht anerkennt. Bedeutet dies, dass die Formulierung der Relativität keinen eigenen Standpunkt mehr zulässt und alles im Ungewissen hält? Oder ist durch die Bewusstwerdung der anderen Sicht auch eine Reflexion auf die eigene, bevorzugte “Brille” möglich? Wann und zu welcher Zeit sind Modelle als Gegenstand mit den Schülerinnen und Schülern zu thematisieren? Ist es eine Aufgabe der Sekundarstufe I oder erst für die Wissenschaftspropädeutik der Oberstufe?
  • Lernbüro & kursinterne Differenzierung
    Dorothea Vielmetter stellt die Lernbüro vor. Die iFK hat in den Fächern Deutsch und Mathematik Lernbüros installiert, die der Idee nach den Konzepten der MBS in Hamburg angelehnt sind. Ausführliche Notizen dazu wurden während der Veranstaltung in das gemeinsame GoogleDocs eingepflegt. Bitte dort bei Interesse nachlesen.
  • Experimentelles Lernen
    Abschließend gab es eine Session über die Erfahrungen, wie sich Schulen auf den Weg machen, um – nicht nur im Unterricht, sondern auch als Organisation – Lernen als Experimentieren zu begreifen. Angelehnt waren die Thesen in meinem Verständnis an das Prinzip “always beta“, welches man auch als Schule begreifen und im Alltag umsetzen muss. “Einfach mal probieren….!”
    Während der Session habe ich folgendes getwittert und würde es als Fazit stehen lassen: “Ein neues Lernen stellt Kontrolle und Beweisbarkeit grundlegend in Frage. Bildung ist frei und verbindet sich mit dem Leben.”

Neu bei Twitter sind nach dem Treffen folgende ADZler/innen:ViktoriaHD, ScarlettHMiro, Flora298, Steffifk, rpifk, peace2blossom.

(Hinweis: Dies ist kein Bericht oder eine Zusammenfassung der Diskussionen der Tagung, sondern eher eine kleine Notiz meiner ersten Eindrücke)

Noten zur Diskussion stellen

Ich selber habe Schule ohne Noten erlebt und stehe heute als Lehrender in der Rolle, Noten geben zu müssen – obwohl ich weiß, dass sie zwar motivationsfördernd und damit auch lernfördernd sein können, aber dies noch lange keine Kausalität ist.

Vielmehr sehe ich bei vielen Schülerinnen und Schülern, dass die Note als (letzter?) Strohhalm angesehen wird, um die schulischen Aktivitäten irgendwie zu greifen. Es geht nicht um Interesse und um Motivation. Das System hat von früh auf Schülerinnen und Schüler dazu herangezogen, auf die Kriterien für die weitere Zertifikatsvergabe zu schauen. Es spielt keine Rolle, ob man sich für ein Thema begeistern konnte oder nicht. Was zählt ist, ob am Ende der Lehrer den Eindruck hatte, dass man “was gelernt” hat und die 1 oder 2 auf das Zeugnis schreibt.

Wenn ich diese Erfahrung der hohen Motivation mit gleichzeitiger Irrelevanz für die Note reproduzierbar erlebe, stumpfe ich ab und werde zum Turnierpferd (das nur so hoch springt wie gerade nötig).

Viele Lehrenden fehlt die Erfahrung und damit das Vertrauen, dass es auch ohne Noten geht. Sie sehen in den Noten den einzigen Leistungsanreiz für Lernende. Schaut man sich die Abgangsklassen 10 und 13 an, so gibt ihnen die selbst produzierte Wirklichkeit ja auch immer recht. Schöne Welt.

Textzeugnisse sind offener, ehrlicher und bieten Raum für die Eigenheiten und kreativen Potentiale der Schülerinnen und Schüler. Allerdings auch hier nur dann, wenn man die Textbausteine nicht im Sinne einer Vergleichbarkeit standardisiert. Das ist leider zur Zeit das A und O in allen bildungspolitischen Debatten. Man fordert Individualität und standardisiert (kontrolliert) auf der anderen Seite so stark, dass kaum Freiheiten möglich werden. Die “neue” Form der Outputorientierung wird falsch verstanden und die Möglichkeiten einer Umformung sind verschenkt worden. Idealtypisch zu sehen an den Universitäten.

Andererseits kann man aber auch anmerken, dass die Rolle der Lehrenden gerade in der Notengebung ihre Professionalität erfährt. Der Prozess der Notengebung ist so komplex und indivuell, dass selbst Lehrende untereinander kaum in einen Austausch darüber kommen können. Gleichzeitig wird die Notengebung gesellschaftlich als so bedeutend angesehen, dass man Lehrende durch zwei Staatsexamen schickt, bis sie justiziable Noten geben dürfen. Stellen wir Lehrenden mit der Notenfrage nicht auch die Frage nach der Legitimation unseres Berufsstandes? Bleibt am Ende, wenn sich die Noten erledigt haben, nur das Leben als Coach? Berater zwar, aber ohne Anerkennung und jederzeit auswechselbar?

Ich wünsche mir wie @ciffi mehr Mut, dass sich kleine und starke Gruppen an den Schulen finden werden, die die Notengebung grundsätzlich in Frage stellen. Nicht nur nach Optimierungen suchen, sondern die Sinnfrage stellen.
Wir kämpfen bei uns gerade gegen die Kopfnoten und stoßen dabei auf interessante Argumentationslinien. Aber das führt hier jetzt zu weit.

Aufhänger für den Beitrag:
Matthias Heil hat in seinem Blog über das Webinar von Sir Ken Robinson geschrieben und dazu seine Gedanken formuliert: “
Von der summativen zur formativen Evaluation: Das Ende der Notengebung?“.

Lernen und Sinn

”Warum müssen wir diesen (anstrengenden, langweiligen, …) Stoff lernen?”  fragen die Schüler. Und das System antwortet: “Weil es gut für euch ist, weil ihr es später – im richtigen Leben – brauchen werdet, weil wir es euch so sagen, weil es im Lehrplan steht …)”.

Und dann werden “Leistungsvereinbarungen”, “Lernzielvereinbarungen” usw. mit den Schülern geschlossen wie ein Vertrag, in dem sich die Lernenden verpflichten, “Verantwortung für ihr Lernen” zu übernehmen,  d.h. für Lernziele, die ihnen verordnet werden zusammen mit ihrer angeblich unstrittigen gesellschaftlichen Bedeutung.

An dieser Stelle nur ein Verweis auf den Beitrag von Lisa Rosa zum Thema Lernen und Sinn: http://shiftingschool.wordpress.com/2010/03/04/lernen-und-sinn/

Aufbruch an den Schulen?

Der Unterschied zwischen kritischen und dann resignativen Äußerungen zur Verwendung der IKT (Informations- und Kommunikations-Technologien) an der Schule ist oft fließend. Auch ich verfalle immer mal wieder in diese Rolle und bin hinterher nicht glücklich, wenn es wieder passiert ist.

Fest steht, dass meine persönlichen Kommunikaitonsroutinen im schulischen Alltag oft wenig anschlußfähig sind und ich gerne sehen würde, dass sich dies ändern. Leider bewegt sich die Institution aus meinen Augen viel zu langsam und ich neige dazu, frustriert zu reagieren. Nimmt man jedoch etwas Abstand ein und hört sich um, so kann man Mut schöpfen, dass sich gerade etwas beginnt zu bewegen.
Auch an den Unis, in der Wirtschaft und im privaten Umfeld scheint eine zarte Aufbruchstimmung erkennbar zu sein. Man scheint aufmerksam zu werden, dass „das Internet“ wohl doch keine vorübergehende Sache ist (schulisch gerne bezeichnet als „neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird“).

Positiv stimmen mich zum Beispiel die Prozesse an der Kaiser-Augusta Schule in Köln, die nach einer Fortbildung zu Web 2.0 Tools inzwischen mehrere Blogs führt und sogar ihre Ergebnisse der Steuergruppe in einem Blog dokumentiert. Und all dies war nicht von langer Hand geplant, sondern ist spontan entstanden und erweist sich scheinbar als erfolgreich.

Im Bekanntenkreis wie auch im Kollegium beobachte ich mehr und mehr Personen, die plötzlich mit einem Laptop daherkommen und sich für das, was man so im Internet tut, zu interessieren beginnen. Was ist ein Blog? Kann man das auch machen? Wie kann ich den Schüler einen Film bereitstellen? Wie kann ich meinen Schülern Arbeitsblätter zuschicken? Können wir nicht die Dateien austauschen?
Technik, die bisher als exotisch galt, wird Normalität: Videokonferenzen sind keine technologische Hürde mehr, sondern ersetzen mehr und mehr das Telefongespräch auch im Privaten.

Schule wäre aber nicht Schule, wenn sie sich den Übergang zu den neuen IKT nicht schwerer machen würde als nötig. Sie möchte kontrollieren und stößt hier an ihre Grenzen…

Interessant wird beispielsweise die Diskussion werden, ob man die die Schüler überfordert, wenn man Web-Tools (Wikis, Blogs und Co.) in den Unterricht integriert. Verlieren die Schüler die Übersicht, wenn unterschiedliche Lehrer, unterschiedliche Fächer und unterschiedliche Jahrgangsstufen unterschiedliche Plattformen verwenden? Sollte man dies nicht schulintern oder sogar als Schulträger vereinheitlichen und auf einen gemeinsamen Standard bringen, der für alle gilt? Auch um den Übergang von Schulformen zu ermöglichen?

Meine bisherigen Beobachtungen scheinen eine Überforderung der Schülerinnen und Schüler nicht zu bestätigen. Wiki, Blogs und moodle werden mal gut, mal schlecht angenommen – Klagen über zu viele Angebote oder verwirrende Informationsquellen hat es aber noch nicht gegeben. Eher scheint eine gewisse „Dankbarkeit“ erkennbar zu sein, dass es überhaupt Kanäle aus der Schule ins Netz gibt. Der Umgang der Jugendlichen mit sozialen Netzwerken zeigt, dass man durchaus auf vielen Inseln gleichzeitig aktiv sein kann. Sich „einen Account“ anlegen ist für Schüler nichts dramatisches – was man durchaus aus kritisch hinterfragen kann.

Vielleicht werden durch die Äußerung zur Überforderung eher die eigenen Bedenken der Lehrenden formuliert. Versuche ich mich mal von meiner Position als jemand zu entfernen, für den die Arbeit mit dem Computer in Schule und Uni schon immer normal war, dann kann man ein wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn ältere Kollegen/innen nicht direkt in Jubel ausbrechen. Immerhin haben sie ihre akademische Laufbahn oft noch ohne intensiven Computereinsatz absolviert und ihr Selbstkonzept funktioniert auch ohne ständige Verfügbarkeit von Rechnern und Internet.

Im letzten Amtsblatt „Schule NRW“ gibt es einen – leider nicht öffentlich verfügbaren – Artikel „Veränderte Routinen durch neue Medien“, in dem die Web 2.0 Technologien vorgestellt werden. Freilich noch zaghaft wird in dem Artikel aufgezeigt, wie die IKT in Schule zum Einsatz kommen kann. Deutlich wird am Ende auch auf die Verantwortung für eine erfolgreiche Umsetzung hingewiesen: „Die größten und schnellsten Effekte [die Prozesse und Routinen einer neuen Arbeitskultur einzuführen (Anm.)] sind natürlich zu erwarten, wenn das gesamte Kollegium, an der Spitze die Schulleitung, die neuen Wege der Kommunikation und Kooperation nutzt.“

Schools kill creativity

Es gibt Statements, die prägen einen nachhaltig. Dieser kurze Vortrag von Sir Ken Robinson gehört sicherlich dazu.

Medien, Gesellschaft und Bildung

Lisa Rosa (@lisarosa) hat für das im Februar stattfindende EduCamp in Hamburg ihr Statement für die Podiumsdiskussion abgegeben. Ich halte dieses Statement auch außerhalb der EduCamp Community für unglaublich informativ, sodass ich es hier verlinken möchte und neben dem Video unbedingt die Lektüre empfehle. Der Artikel bietet einen Überblick zur Diskussionen über den Medienwandel und seine Bedeutung für Bildung und Schule.

Zum Artikel:
http://shiftingschool.wordpress.com/2010/01/15/educamp-2010-in-hamburg-ec10hh/

Was Schule von Palomar5 lernen kann

Am Dienstag hat in Stuttgart der vierte nationale IT Gipfel stattgefunden. Dies wäre für mich nicht weiter bedeutend gewesen, wenn am Tag zuvor nicht ein von DNAdigital initiierter OpenSpace stattgefunden hätte. Das Thema lautete: Vom Bildungssystem von heute zur lernenden Organisation von morgen.

In einer der Arbeitsgruppen, die sich aus den Initiativen “Neugierde nutzen”, “selbstlernen cleverle” und “Lernen ohne Lehrer” spontan assoziiert hatte, hat sich eine spannende Kombination bei den Teilnehmer/innen ergeben, da wir neben interessierten Bildungsbegleiter/innen mit Jonathan Imme einen der Initiatoren von palomar5 dabei hatten. Aus der lebhaften Diskussion um Schule und ihre möglichen Ausgestaltungen kristallierten sich am Ende folgende 14 Thesen heraus, die ich hier kurz kommentiert wiedergeben möchte:

  1. Feedbackkultur statt Noten
    Noten sind ein Selektionsinstrument und lenken den Blick vom eigentlich Gegenstand weg. Bei Palomar5 hatte man als externen Motivationsmoment kurzzeitig “Geld” eingeführt. Nach wenigen Tagen hat man sich von dieser Idee wieder verabschiedet, da die tägliche Ausschüttung für den besten “Projektfortschritt” hemmende Neiddebatten hervorbrachte. Die sachorientierte Auseinandersetzung und Hilfe stellte sich nach Abschaffung des Geldes wieder ein.
  2. Freiräume schaffen, Zeit geben
    Um Ideen und Gedanken nachzugehen brauche ich Platz und Zeit. Das Arbeiten in engen Räumen ohne Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten hindert den kreativen Gedanken.
  3. Heterogene (Lern-)Gruppen mit hoher Expertise
    Als besonders positiv wurde bei palomar5 die hohe Heterogenität der Teilnehmer empfunden – sowohl hinsichtlich der kulturellen Hintergründe als auch in ihren Fähigkeiten. Heterogenität schafft Kooperation.
  4. Künstlerisches Schaffen darf kein Schulfach sein
    Die Visualisierung (von Projektideen) dient dazu, Abstand zum Gegenstand zu gewinnen und Kritik nicht als persönlich, sondern sachorientiert zu begreifen. Kunst, Gestaltung und Kreativität haben bei jeder Tätigkeit eine besondere Bedeutung, die in der Schule oft in das Fach “Kunst” gesteckt und damit aus den anderen Fächern “mit gutem Gewissen” verbannt werden kann.
  5. Lernräume selber gestalten
    Arbeitsräume (Klassenzimmer) müssen von den in ihnen arbeiteten Menschen (Schülerinnen und Schüler) aktiv mit gestaltet werden können. Lernen geschieht immer in gestalteten Umgebungen. Nicht umstonst wird der Raum auch als der dritte Pädagoge bezeichnet (1. Mitschüler, 2. Lehrer, 3. Raum).
  6. Verantwortung (wirklich!) delegieren
    In erfolgreichen Unternehmen und Projekten wird Verantwortung delegiert – echte Verantwortung mit Entscheidungsbefugnissen. Dies gilt nicht nur für die Schulorganisation zwischen Schulleitung und Kollegium, sondern auch zwischen Lehrenden und Lernenden.
  7. Fehlerkultur schaffen
    Fehler sind keine Fehler. „Fehler gehören zur Kultur der Innovation – Wenn man das akzeptiert, wird man stärker.“ (Albert Yu)
  8. Keine Zeittaktung
    Viele, die nicht mehr aktiv die Schule besuchen, mögen es kaum für möglich halten. Aber in der Schule findet das Arbeiten immer noch in einem getakteten Rythmus statt (45, 60, 90 Minuten oder in anderen Erscheinungsformen). Keiner hat mir bisher erklären können, wo diese Einteilung herkommt. Es scheint ein Mysterium.
    Unter solchen Bedingungen spielt es für Lernende keine Rolle, ob sie sich in ein Thema hineingefressen und möglicherweise gerade einen Flow haben. Ja,  selbst wenn man kurz vor dem casus knaxus steht, gilt: Wenn es klingelt wird den SchülerInnen eine Zwangspause verordnet, aus der sie nach kurzer Zeit pünktlich zurückgerufen werden. Natürlich wird danach nicht weiter am letzten Thema gearbeitet, sondern das neue, jetzt wichtigste Fach, kommt auf den Tisch.
    Unter diesen Bedingungen wundert es nicht, dass SchülerInnen schnell die eigene Motivation ausblenden. Was bringt es schon, wenn man am Ende doch durch das Klingeln nicht zu Ende denken darf.
  9. Keine no-go areas (Lehrerzimmer für alle öffnen)
    Lehrerzimmer sind die Räume innerhalb der Schule, in der Lehrer neben der Unterrichtstätigkeit selber arbeiten – auch quatschen, sicherlich. Warum teilen wir uns nicht die Zimmer, schaffen neue Ruheräume und ermöglichen so allen Schulmitgliedern eine vertraute gemeinsame Zusammenarbeit?
  10. Sinnstiftung “machen”
    Die Frage nach dem Sinn wird für die Schule zukünftig eine entscheidende Rolle einnehmen. Die Frage nach dem “Warum” kann und darf nicht weiter über Verweise auf Vorgaben und Richtlinien beantwortet werden.
    Bei Lisa Rosa gibt es zum Thema “Sinnstiftung” ein gutes Interview: “Sinnbildung lernen”
  11. Offene, personalisierte Curricula
    Wenn “Sinn” an Bedeutung gewinnt, müssen auch die eigenen Interessen eine größere Rolle spielen. Dem kann man nur begegnen, indem man die Curricula an den Schulen öffnet. Palomar5 hat keine Projekte vorgeschlagen, sondern ein Thema gesetzt, auf welches die Teilnehmer mit unterschiedlichen Antworten reagiert haben. Die Ergebnisse sind nicht einheitlich und alle hoch ambitioniert.
  12. Leitfragen statt Fächer
    Wenn die Arbeit mit Leitfragen so gut funktioniert (was man in den Projektwochen an den Schule selber erlebt, die Erfahrung aber oft nicht mit in die “normale” pädagogische Praxis überträgt): Warum bauen wir die Struktur von Fächern nicht um Projekte und Themenfelder herum neu auf? Ist das streng disziplinäre Denken noch aktuell? Kann man eine kritische Wissenschaftlichkeit nicht auch Projektbezogen verwirklichen?
  13. Lehrer als facilitator – Lehrer als Netzwerkmonster
    Lehrer müssen Räume vorbereiten, Lernprozesse vorausahnen und Werkzeuge bereit halten, wenn diese angefragt werden. Dazu reicht oft nicht mehr eine einzelne Person aus. Es bietet sich an, wenn der Lehrer eingebunden ist in ein großes Netzwerk, aus dem er spontan Resourcen abgreifen kann (und natürlich auch selber für Verknüpfungen zur Verfügung steht). Als humaner Resourcepool reicht in einer vernetzten Welt das Kollegium der Lehrenden nicht mehr aus.
  14. “show ´n tell” – kooperativer Umgang zwischen allen Mitgliedern
    Bei Palomar5 gab es regelmäßig “reality checks” und allabendlich kurze Präsentationen über den aktuellen Fortschritt. Keiner arbeitet für sich alleine, jeder kann an den Erfolgen und Arbeiten der anderen partizipieren. Dieser ehrliche, offene und kritische Umgang untereinander muss auch zwischen allen an der Schule lebenden Menschen größere Bedeutung gewinnen.

Stellwand

Rückblickend habe ich festgestellt, dass einige der Thesen so nahe beieinander liegen, dass man sie besser zusammenfassen sollte. Dies kann man noch tun. Jetzt war es mir ersteinmal wichtig, die Ergebnisse zu dokumentieren. Weiteres vielleicht später…

Anmerkung:
Palomar5 ist ein Projekt, welches vor zwei Wochen in Berlin zu Ende gegangen ist. Knapp 30 Jugendliche im Alter von 19 – 30 Jahre haben über sechs Wochen an der Frage gearbeitet “Wie wollen wir in Zukunft arbeiten”. Während der Zeit waren alle Teilnehmer in der Malzfabrik in Berlin untergebracht und haben von den Organisatoren (fast) alle Wünsche hinsichtlich Material, know-how und Expertise erfüllt bekommen. Mehr zu Palomar5 findet sich auf der Webseite http://palomar5.org

Die Zukunft der IKT an der Schule

Am 08. Dezember 2009 tagt der diesjährige IT Gipfels 2009 in Stuttgart. Bereit am Tag zuvor findet ein “Open Space” von IKT-Nachwuchskräften statt, bei dem gemeinsam mit den Mitgliedern des IT Gipfels aus Wirtschaft und Politik über Ideen gesprochen werden wird, wie der Weg vom Bildungssystem von heute zur lernenden Organisation von morgen gestaltet werden kann.

Mit der Internationalen Delphi-Studie 2030 wurde am 05.11.2009 eine Studie veröffentlicht, in der über 500 Experten ihre Prognose über die Verbreitung der ITK (Informations- und Kommunikations-Technologien) abgeben sollten. Die Experten rekrutierten sich vorwiegend aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Um die Ergebnisse zu kontrastieren, wurden auch Mitglieder von dnadigital hinzu gezogen.

Unter den 144 Thesen finden sich auch Fragen zur Zukunft der IKT im Bildungssystem. Trotz aller Wichtigkeit des Themas “Bildung” gibt es nur zwei Thesen in der Untersuchung:

  1. These 10: IKT im Unterricht
    Ein persönliches elektronisches Endgerät (z. B. Laptop) ist elementarer Bestandteil des Schulunterrichts in Deutschland.
  2. These 11: IKT in der Schule
    Die permanente Nutzung von IKT-Infrastruktur (z.B. Computer, das Internet, eBooks, Schulserver) durch jeden einzelnen Schüler ist Bestandteil des schulischen Alltags in Deutschland.

Die Einschätzung der Experten als Zukunftsradar:

IKT_Bildung

Die Grafik muss man so lesen, dass die Experten ihre Prognose abgeben sollten, bis wann die These voll eingetreten ist. Je dunkler das Blau, desto mehr Experten haben für den genannten Zeitraum ihre Stimme abgegeben.

Der äußere Rand steht für den internationalen Vergleich. Rot bedeutet: “Nachzüglerposition”

Fazit:

  • Der große Umbruch in den Schulen findet in den Jahren 2015 – 2019 statt. Hier werden digitale Endgeräte sowohl in Schule wie Unterricht flächendeckend Bedeutung gewinnen – sagen 40 % der Experten.
  • Spätestens bis 2024 könnte dieser Prozess abgeschlossen sein.
  • Bereits bis 2014 wird es an den Schulen für jede/n Schüler/in die Möglichkeit geben, digitale Endgeräte im Schulalltag einzusetzen. Das sehen zumindest knapp 30 Prozent der Experten so.

Ich halte diese Zahlen für nicht verwunderlich. Sie zeigen deutlich, dass die Notwendigkeit für eine Durchdringung der Bildungsinstitutionen gesehen wird. Dies wird besonders daran deutlich, dass eine überwiegende Mehrheit der Experten die nächstmöglichen Zeiträume ausgewählt haben – ohne direkte Handlungsnotwendigkeiten zu geben.

Andererseits zeigt das Ergebnis auch die große Unsicherheit, da für die nächsten vier Jahre keine bedeutenden Veränderungen prognostiziert werden (Ausgenommen eine bei These 11). Traut man der Bürokratie oder den Schulen selber kein größeren Veränderungen zu? Immerhin ist das Projekt “schulen ans netz” inzwischen erfolgreich beendet worden.

Meine Prognose:
Wenn sich in den nächsten Jahren die Veränderungen in der Schülerschaft weiter so fortsetzen wie in den letzten vier Jahren, halte ich die optimistischen Prognosen für den Zeitraum bis 2019 für realistisch. Vor vier Jahren gab es Klassen, in denen einzelne Schülerinnen und Schüler über eine E-mail Adresse verfügten. Heute gehört dies zum Standard und in sozialen Netzwerken bewegt man sich täglich. Auch Wikis, Blogs und Foren werden mit immer größerer Selbstverständlichkeit angenommen.

Immer häufiger treffe ich in den letzten Wochen Schüler/innen, die gerne ihren Laptop oder iPod Touch im Unterricht nutzen wollen – und dies nicht nur in der Oberstufe. Ich denke, dass sich hier zur Zeit eine kritische Masse bildet. Wenn in zwei Jahren eine überwiegende Zahl der Schüler/innen statt eines Desktop-Computers oder Fernsehers einen Laptop zum Geburtstag bekommt, werden diese in die Schule drängen und die Arbeitsweise ändern. Diesem Prozess wird man sich nicht entziehen können. Ganz nebenbei werden dabei auch die One-to-One Projekte einer Bewährungsprobe unterzogen. Aber dies ist ein anders Thema.

Die Studie findet sich bei TNS-Infratest als PDF (Achtung, 18 MB).

Die Bildung hacken

Kommende Woche startet am Donnerstag die UnKonferenz “Die Bildung hacken“, initiiert von Martin Lindner (@martinlindner) und Basti Hirsch (@cervus) in Anlehnung an den Eduhack ’09 in New York.

Das erste Mal bin ich mit den Hackern auf dem EduCamp in Ilmenau in Kontakt gekommen und war etwas irritiert. Auch jetzt noch kann ich mich mit dem Begriff nicht so ganz anfreunden. Dabei ist die eigentliche Intention durchaus sympatisch, nämlich durch koordinierte Aktivitäten in ein scheinbar geschlossenes System einzudringen, es zu öffnen und so ein wenig unter die eigene Kontrolle (zurück?) zu bringen.

Die Notwendigkeit besteht:

Lisa Rosa (@lisarosa), ebenfalls vor Ort dabei, hat in einem Kommentar in ihrem Blog shiftingschool die Herausforderung so formuliert:

Diejenigen, die im System drin sind bzw. neu hineinkommen, müssen wissen, dass sie eine Transformations- und keine bloße Reformaufgabe haben und trotzdem können wir uns dabei nur in Auseinandersetzung mit den dortigen Widersprüchen zu den Systemregeln bewegen.

Welche Rolle spielt Schule in Zukunft?

Im März ’09 hatte ich im Anschluss an den Shift-Film diese hier formuliert:

  • Welche Aufgabe hat Schule?
  • Geht es um die Tradierung von Wissen nach klassischer Vorstellung?
  • Geht es um Erziehung, die nicht mehr im doppelt-berufstätigem Elternhaus vollzogen wird?
  • Geht es darum, die Schüler/innen im Umgang mit Tools der Kommunikation fit zu machen (”Web 2.0″)?
  • Oder geht es um Grundlagen und Einblicke in das, was war, um die Zukunft zu gestalten?
  • Was ist mit Büchern – spielen diese noch eine Rolle? Oder machen wir in Zukunft nur noch Wiki?
  • Was ist mit geschützen Räumen, in denen man König sein darf (Kinderzimmer)?
  • Wie bildet sich ein kritischer Geist?

Inzwischen würde ich noch ergänzen:

  • Wenn Stundenraster wegfallen: Wo und wann kann Lernen überall stattfinden?
  • Wie begegnen wir der immer stärker werdenden Frage nach dem Sinn des Lernens?
  • Wie schaffen wir ein Selbstverständnis von Schule, dass diese keine Angst vor “Neuem” haben muss, sondern jede neue Entwicklung und jedes neue Werkzeug bereichernd in ihr bisheriges Konzept aufnehmen kann?
    Wünschen würde ich mir ein Arbeits-Klima bei dem der Spruch “die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben” kein Manko ist. Schule als Organisation, die für neue Entwicklungen offen ist und wo “Neues” nicht immer alles bisherige in Frage stellen muss sondern ergänzt. (Quelle)
  • Welche Rolle spielen die Inhalte in Zukunft, wenn wir alle mit dem mobilen Internet in der Tasche herumlaufen und es kaum noch ein Monopol auf Wissen gibt.

Zukunft? Ist die nicht eigentlich schon da, wenn man sich die Schülerinnen und Schüler ansieht? Mobiltelefone mit Internet oder WLAN, auf jeden Fall aber mit Kamera haben sie alle dabei. Schule heute nimmt darauf kaum Rücksicht – im Gegenteil, sie versucht es oft sogar durch Verbote zu verhindern. Verständlich, ist ihr Selbstkonzept doch in Gefahr.

Ich freue mich, dabei zu sein und bin gespannt, was das Zusammentreffen in Berlin alles katalysieren wird.